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Kapitel 10: Pauls Facebookgeburt

Paul ist jetzt auch bei Facebook! Oh Gott, das auch noch! Dabei habe ich mir immer geschworen: 'Diesen Quatsch machst Du nicht mit!' Aber ich habe Hugo's Autorität unterschätzt! Und so hocke ich nun hier und erzähle euch, wie aus dem Facebookhasser Paul ein noch nicht ganz überzeugtes Mitglied dieser ehrenwerten Gesellschaft wurde:

„Hey, Paul, geile Site!“, rief Hugo über den Tisch unserer Stammkneipe. Erst eine Woche nachdem ich mit meiner Site www.paulblaes.de online gegangen war, traute ich mich hier wieder her. Aus Angst, sie würden es mir krummnehmen, teilte ich den Jungs die Neuigkeit nur per mickriger E-Mail mit. Doch außer Hugo war die Bande bislang noch nicht einmal draufgewesen. Daniel tat wie immer desinteressiert, obwohl ich mir sicher war, dass er heimlich doch mal draufgeklickt hatte. John wusste wirklich von nichts, wäre sein E-Mail-Postfach mit ihm verheiratet, es hätte ihn schon längst wegen Nichtachtung verlassen. Nur vom Maestro hatte ich eine begeisterte Mail bekommen, die allerdings auch einen Kritikpunkt enthielt: ich solle mehr über die neuesten Dopingpraktiken berichten, das interessiert die Leserschaft schließlich am meisten.

„Bist du auch bei Facebook?“, fragte Hugo als nächstes. „Hab dich dort gesucht, aber nich gefunden.“

Ich knurrte nur und murmelte, dass mich dort auch eine Bestechungszahlung von zehn Carbonrädern nicht hinbekommen würde.

„Paul, erzähl kein Quatsch.“, meinte Hugo verständnislos. „Facebook muss sein.“

Daniel rettete mich, in dem er Hugo freundlich bat, die Fresse zu halten, da das keinen interessieren würde.

Monate später hielt ich Hugos Drängeln nicht mehr länger stand. Er zwang mich zu sich nach Hause und laberte mich zu, warum ich mich unbedingt anmelden sollte. Meine Bedenken wegen Werbemafia und Datenmissbrauch wischte er vom Tisch indem er meinte, ich soll mich nicht so aufspielen, schließlich hätte ich auch von des Maestros Gummibärchen gegessen und sei vor Gott jetzt ein Verbrecher. Also nicht besser als Markus Zuckerberg oder wie der Kerl hieß. Ich fand trotzdem, dass ich mir das nicht antun musste, hatte ich doch als gebildeter Zeitgenosse schon viel Furchterregendes über Facebook gelesen.

„Glaubst du jeden Scheiß?“, fragte mich Hugo und lieferte das entscheidende Argument gleich mit: „Denk dran, was sie über den Jan geschrieben haben. Der hat nicht gedopt, hat er doch bei dem Beckmann gesagt, und was stand in der Zeitung? Ja, siehste...“

Ich gab auf. Mit Hugo zu diskutieren war zwecklos. Er bemerkte meine Resignation aber nicht und leistete weiter Überzeugungsarbeit.

„Jeder ist heutzutage bei Facebook. Die Kanzlerin, der Dieter Bohlen und wahrscheinlich hätte auch Osama bin Laden noch einen Account beantragt, wenn er nicht so früh gestorben wäre. Nur der Jan hat keinen... und Paul!“

Als er in mein wenig überzeugtes Gesicht schaute, fügte er hinzu:

„Mensch, Paul, sogar der Felix Magath ist doch jetzt Facebooker!!!“

„Ja!“, antwortete ich gequält. „Und hat ihm ja riesig genützt. Jetzt steigt er ab mit dem Vfl Wolfsburg.“ (Anmerkung Paul am 13.05.2011: "Hoffentlich!" )

Ich stockte kurz, dann fügte ich grinsend hinzu (der eine Wolfsburg-Fan unter meinen Lesern möge mir verzeihen):

„Hm, das ist ja eigentlich eine tolle Sache... vielleicht ist Facebook doch nicht so schlecht!“

Hugo verstand zwar kein Wort, aber er nutzte die Gelegenheit und klickte auf die Facebook-Startseite.

„Gibt zwei Möglichkeiten. Einmal privat...“

„Privat?“, schrie ich entsetzt. „Nix privat, privat ist privat! Das geht keinen was an! Soll keiner wissen, dass ich Paul bin.“

„So'n Quatsch, den du hier erzählst. Und lass mich ausreden! Also... einmal privat oder ne Fanpage.“ Er strahlte. „Hey, Paul, du bist jetzt ne Berühmtheit, wir machen dir ne Fanpage!“

„Eine was?“ Mir wurde immer schlechter und ich verspürte das dringende Bedürfnis, Hugo umzubringen. Das war zwar nicht neu, aber nie so wichtig gewesen wie heute.

Hugo klickte irgendwo herum, dann fragte er mich, als was ich denn auftreten möchte.

„Hä? Ich möchte als gar nichts auftreten.“

„Mensch, Paul, bleib cool. Wie wärs mit 'Bergziege'?“ Er suchte erneut, fand aber nichts.

„Verdammt, die haben hier überhaupt nix mit Radsport. Nur allgemein 'Sportler'...“

Ich hoffte, dass ihn das zu sehr aufregen würde um weiterzumachen. Kein Radsport? Ich fand Facebook noch blöder.

„Ich hab was gefunden! Du bist zwar Radsportler, aber mit deinen Geschichten und Videos ja eigentlich eher Künstler. Ich guck dort mal nach.“ Hugo klickte so begeistert auf seiner Maus herum, dass mir das arme Vieh leidtat. 'Künstler', das wurde ja immer besser. Als Künstler hatte mich in meinem ganzen Leben noch niemand beschimpft!

„Autor! Na klar, Du bist Autor!“ rief Hugo fröhlich und eh ich protestieren konnte befand sich Hugo schon eine Seite weiter. Er klackerte auf seiner Tastatur herum, fragte mich ab und zu nach Namen und Email und irgendwann schrie er: „Fertig!“

„Wie, das wars? Kann ich jetzt gehen?“ fragte ich und hoffte, dass das Thema damit durch sei.

„Bist du bekloppt, Paul? Du hast jetzt ne leere Seite, was da reinkommt, machst du jetzt mal schön selbst. Bald strömen deine Fans in Scharen auf die Seite und du hast nix drin?“

Ich hoffte eher, dass niemand das Pech hatte, sich auf meiner Seite zu verirren, doch Hugo hatte die Hölle losgetreten, also musste ich nun mitmachen. Ich hörte mir seine schlauen Ratschläge an und zog von dannen.

Und so habe ich nun meine eigene Facebook-Seite. Man möge mir verzeihen, wenn sie vielleicht aussieht wie eine häßliche Jungfrau, die keiner berühren will, aber ich weiß noch immer nicht, was ich mir damit ins Boot geholt habe.

'Paul bei Facebook', diese Schlagzeile lässt mir noch immer die Gänsehaut über die mäßig trainierten Oberschenkel ziehen, doch ich hoffe, dass ich Hugos Facebook-Enthusiasmus nicht bereue.

 

 

About Me

Rennrad fahren, schreiben und programmieren! Aus diesem Mix meiner liebsten Hobbys ist Paul Blaes hervorgegangen; was kann es Schöneres geben, als seine Vorlieben zu verbinden und auch noch andere daran zu erfreuen. Entstanden sind nicht nur satirische Onlinegeschichten über die Rennradelei, sondern auch ein Buch – inzwischen als Taschenbuch und E-Book, welches zu etwa einem Drittel exklusive Kapitel enthält. Darüber hinaus werden über diese Website Trainingsvideos angeboten, welche sich als Motivation für die Wintermonate auf Rolle, Spinningrad oder allen anderen Hometrainermöglichkeiten eignen. Diese Videos enthalten neben den schönsten Landschaften Europas (bisher Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und Mallorca) – in der Hauptsache berühmte Pässe oder Bergstrassen – auch die Geodaten der Original-GPS-Aufzeichnung. Die ältesten Videos enthalten bereits Angaben zu den durchfahrenen Orten, der aktuellen Höhe, der Restkilometer und der Steigung. Je neuer die Aufnahme, desto mehr Technik wurde integriert, die neuesten Videos enthalten alle darüber hinaus Restzeit, Geschwindigkeit, Höhenmeter sowie bei besonders aufregenden Bergpassagen auch nur für diese Passagen Restzeiten und Höhenmeter. Und obendrein hat sich auch die Aufnahmequalität der Bilder enorm verbessert. Wer einmal sein Training mit so einem Video gestaltet, wird nicht mehr ohne wollen J

Ich wünsche viel Vergnügen auf allen Seiten von www.paulblaes.de!